Reitangst oder mangelnde Ausbildung – woran erkenne ich den Unterschied?
Viele Reiter stellen sich irgendwann die Frage: Habe ich wirklich Angst oder fehlt mir einfach die notwendige Ausbildung und Erfahrung?
Die Antwort ist wichtig, denn je nach Ursache braucht es unterschiedliche Lösungswege.
Wann spricht vieles für mangelnde Ausbildung?
Fehlende Ausbildung oder Erfahrung zeigt sich häufig dadurch, dass Du bestimmte Situationen noch nicht ausreichend kennst oder trainiert hast.
Typische Anzeichen sind:
- Du weißt nicht genau, wie Du in bestimmten Situationen reagieren sollst.
- Neue Aufgaben verunsichern Dich.
- Du fühlst Dich sicherer, sobald Dir jemand erklärt, was zu tun ist.
- Deine Sicherheit wächst mit zunehmender Übung.
- Du profitierst deutlich von Unterricht und Training.
In diesen Fällen kann guter Reitunterricht oder eine gezielte Ausbildung von Pferd und Reiter oft schnell weiterhelfen.
Wann steckt eher Reitangst dahinter?
Reitangst entsteht häufig, obwohl das notwendige Wissen und die Fähigkeiten bereits vorhanden sind.
Typische Anzeichen sind:
- Du weißt eigentlich, was Du tun musst, kannst es aber in bestimmten Situationen nicht umsetzen.
- Dein Herz schlägt schneller, obwohl objektiv keine Gefahr besteht.
- Du malst Dir automatisch schlimme Szenarien aus.
- Nach einem Sturz oder Schreckmoment fühlst Du Dich dauerhaft unsicher.
- Du vermeidest bestimmte Situationen wie Galoppieren, Ausreiten oder Turniere.
- Die Angst bleibt trotz Reitunterricht bestehen.
Viele meiner Kunden sagen:
„Ich weiß genau, was ich machen müsste. Aber mein Körper macht einfach nicht mit.“
Genau das ist oft ein Hinweis darauf, dass die Ursache nicht im fehlenden Können, sondern auf emotionaler Ebene liegt.
Oft ist es eine Kombination aus beidem
In der Praxis gibt es selten nur Schwarz oder Weiß.
Manchmal hat ein Reiter durch eine schlechte Erfahrung Vertrauen verloren und gleichzeitig haben sich kleine Ausbildungslücken entwickelt, weil bestimmte Situationen vermieden wurden.
Genauso kann ein unsicheres Pferd dazu beitragen, dass der Reiter immer mehr Anspannung entwickelt.
Deshalb betrachten wir auf dem Nobbenhof immer das gesamte Team aus Mensch und Pferd.
Die entscheidende Frage
Frage Dich einmal ehrlich:
Würde ich diese Situation entspannt meistern können, wenn ich keine Angst hätte?
Wenn Deine Antwort „Ja“ lautet, liegt die Ursache häufig weniger in Deinem Können als in den Emotionen, die mit der Situation verbunden sind.
Mein Fazit
Mangelnde Ausbildung lässt sich meist durch Wissen, Übung und Training verbessern.
Reitangst entsteht dagegen oft durch belastende Erfahrungen, innere Unsicherheiten oder unbewusst abgespeicherte Schutzmechanismen des Gehirns.
Der wichtigste Schritt ist deshalb, die tatsächliche Ursache zu erkennen. Erst wenn klar ist, ob Ausbildung, Emotionen oder eine Kombination aus beidem hinter dem Problem stehen, kann die passende Lösung gefunden werden.
Denn niemand muss dauerhaft mit Angst reiten – und nicht jede Unsicherheit bedeutet automatisch, dass Du schlecht reitest.

