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Warum Reittrainer ohne Coachingausbildung, aber mit Fernsehpräsenz, bei Angstreitern so gefragt sind

In der Welt des Reitsports, insbesondere im sensiblen Bereich des Angstreitens, suchen viele Betroffene nach schnellen, sichtbaren Lösungen. Auffällig ist dabei, dass Reittrainer, die durch TV-Auftritte oder Social Media bekannt geworden sind – auch ohne fundierte psychologische oder coachingspezifische Ausbildung – oft deutlich mehr Zulauf haben als erfahrene Coaches mit tiefgreifendem Know-how. Doch woran liegt das?

1. Mediale Präsenz schafft Vertrauen – auch ohne Tiefgang

Fernsehen wirkt. Wer regelmäßig im TV erscheint oder eine große Follower-Zahl auf Social Media vorweist, wird automatisch als kompetent wahrgenommen. Sichtbarkeit wird mit Expertise verwechselt – und das besonders in emotional aufgeladenen Bereichen wie Angst. Der Reittrainer aus dem Fernsehen ist „bekannt“, man hat ihn „schon mal gesehen“, er wirkt „nahbar“ – das allein reicht oft aus, um das Vertrauen potenzieller Klienten zu gewinnen. Die Angst vor dem Reiten ist stark, der Wunsch nach Hilfe ebenso – und wenn eine vertraute Fernsehfigur Hilfe verspricht, ist die Hemmschwelle zur Kontaktaufnahme niedrig.

2. Einfache Lösungen für komplexe Probleme

Menschen in Angstzuständen suchen oft nach schnellen, einfachen Lösungen. Medial bekannte Reittrainer liefern genau das: plakative Tipps, klare Anweisungen, manchmal gar eine Art „Heilsversprechen“. Auch wenn diese Ansätze oft nicht langfristig greifen, wirken sie im ersten Moment entlastend. Ein echter Coachingprozess hingegen erfordert innere Arbeit, Zeit und die Bereitschaft zur tiefen Auseinandersetzung – was viele Betroffene zunächst überfordert.

3. Marketing schlägt Fachkompetenz

Reittrainer mit TV-Präsenz verstehen sich oft hervorragend aufs Selbstmarketing. Sie sprechen gezielt emotionale Themen an, erzählen bewegende Geschichten und zeigen „Wunderveränderungen“ in kürzester Zeit. Solche Stories erzeugen Hoffnung und den Eindruck von Effizienz. Fachlich fundierte Coaches hingegen arbeiten oft leiser, tiefgründiger, und ihre Erfolge sind nicht immer sofort sichtbar – obwohl sie nachhaltiger wirken.

4. Gruppendynamik und Herdentrieb

Viele Angstreiter tauschen sich in Reitforen, Facebook-Gruppen oder über Mundpropaganda aus. Wenn eine Person berichtet: „Der XY aus dem Fernsehen hat mir geholfen“, entsteht ein Sogeffekt. Kaum jemand fragt: Hat es wirklich langfristig geholfen? oder Wurden Ursachen wirklich aufgelöst? – sondern viele springen auf den fahrenden Zug auf. Bekanntheit erzeugt Nachfrage, die sich durch Gruppendynamik noch verstärkt.

5. Der Wunsch nach einem Retter

In der Angst sucht der Mensch nicht selten einen „Retter“. Jemanden, der übernimmt, der die Verantwortung trägt, der sagt: „Ich mach das für dich.“ Ein Fernsehtrainer mit charismatischem Auftreten erfüllt diese Rolle perfekt. Er stellt sich als Macher dar, als jemand, der das Problem im Griff hat. Das beruhigt – zumindest kurzfristig. Coaching hingegen aktiviert die Selbstverantwortung, ermutigt zur Selbstreflexion – das ist nachhaltig, aber zunächst auch unbequem.


Fazit: Sichtbarkeit ersetzt keine Kompetenz – aber sie verkauft sich besser

Der Zulauf zu medial bekannten Reittrainern erklärt sich weniger durch die tatsächliche Wirksamkeit ihrer Methoden, sondern vielmehr durch psychologische Effekte: Vertrauen durch Bekanntheit, Sehnsucht nach schnellen Lösungen und der Wunsch nach Entlastung. Für professionelle Coaches liegt darin zugleich eine große Chance: Besonders, wenn du den Menschen zeigst, dass nachhaltige Veränderung möglich ist – und dass du sie nicht „rettest“, sondern befähigst.