🐴 „Mein Pferd ist cool“ – oder doch nicht?
Es beginnt harmlos.
Ein Pferd steht in der Stallgasse und knabbert alles an, was es erreichen kann. Putzkisten. Jacken. Führstricke. Vielleicht sogar Menschen.
Ein Lächeln huscht über das Gesicht des Besitzers:
„Ach, der macht doch nichts. Der ist halt neugierig.“
Die Decke wird vorsichtshalber weggelegt. Nicht, weil das Verhalten korrigiert wird – sondern damit nichts kaputtgeht. Problem gelöst?
Oder nur verlagert?
🧠 Verhalten ist Kommunikation
Ein Pferd knabbert nicht „aus Spaß“.
Es testet Grenzen. Es sucht Beschäftigung. Es ist unterfordert. Es ist nervös. Es hat gelernt, dass es darf.
Und jedes Mal, wenn nichts passiert, lernt es weiter:
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Ich darf Raum einnehmen.
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Ich darf Dinge beanspruchen.
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Ich darf Menschen ignorieren.
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Ich bekomme keine klare Rückmeldung.
Das ist kein „cooles“ Pferd.
Das ist ein Pferd ohne Orientierung.
⚖️ Verniedlichen statt Verantwortung übernehmen
Noch deutlicher wird es, wenn ein Pferd tritt –
und der Besitzer sagt:
„Er ist eigentlich ganz lieb.“
„Das meint er nicht so.“
„Man muss ihn halt kennen.“
Nein.
Ein Pferd, das tritt, setzt eine Grenze.
Die Frage ist nur: Wer führt hier eigentlich?
Wer Verhalten schönredet, übernimmt keine Verantwortung.
Und genau das ist für Pferde das größte Problem. Sie brauchen Klarheit. Struktur. Konsequenz. Sicherheit.
Nicht Ausreden.
🐎 Was wirklich dahinter steckt
Oft liegt das Problem tiefer:
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Fehlende klare Kommunikation
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Unsicherheit des Menschen
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Angst vor „zu streng sein“
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Verwechslung von Liebe mit Nachgiebigkeit
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Keine klaren Regeln im Alltag
Ein Pferd fühlt sich nicht geliebt, wenn es alles darf.
Es fühlt sich sicher, wenn es weiß, was erlaubt ist.
💬 Meine Meinung
Ich finde:
Wir dürfen Pferde mögen. Wir dürfen sie feiern.
Aber wir dürfen Verhalten nicht romantisieren, das gefährlich ist.
Ein Pferd, das in der Stallgasse alles anknabbert, testet Raum.
Ein Pferd, das tritt, testet Rang.
Das ist keine Bosheit.
Das ist fehlende Führung.
Und Führung bedeutet nicht Härte.
Führung bedeutet Klarheit.
🌿 Was stattdessen hilfreich wäre
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Konsequentes Unterbrechen des Knabberns
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Klare persönliche Distanzzonen
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Beschäftigung statt Langeweile
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Ruhige, souveräne Körpersprache
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Keine Diskussion – sondern Entscheidung
Nicht die Decke weglegen.
Sondern das Verhalten verändern.
✨ Fazit
„Mein Pferd ist cool“ klingt schön.
Aber Coolness zeigt sich nicht im Wegschauen.
Sie zeigt sich darin, Verantwortung zu übernehmen.
Für Sicherheit. Für Klarheit. Für echte Partnerschaft.
Denn ein Pferd, das geführt wird, muss nicht treten.
Und es muss auch nicht alles anknabbern.

