Was hindert mich daran, etwas zu verändern?
Angst im Sattel zwischen Zeitdruck und alten Mustern
Veränderung beginnt meist mit einer einfachen Erkenntnis: So wie es gerade ist, fühlt es sich nicht gut an.
Und trotzdem bleiben wir oft genau dort stehen.
Gerade bei Angst im Sattel zeigt sich dieses Paradox besonders deutlich. Der Wunsch nach Sicherheit, Leichtigkeit und Vertrauen ist groß – und gleichzeitig scheint der erste Schritt in eine neue Richtung unglaublich schwer.
Warum ist das so?
Die Macht der bewährten Muster
Unser Nervensystem liebt Verlässlichkeit. Selbst dann, wenn diese Verlässlichkeit aus Angst besteht.
Wenn ich immer wieder angespannt reite, den Atem anhalte oder im entscheidenden Moment blockiere, wird genau das zu meinem „Normal“. Das Gehirn speichert diese Reaktionen als Schutzmechanismus ab. Sie haben irgendwann einmal geholfen – vielleicht nach einem Sturz, einer brenzligen Situation oder einer längeren Unsicherheitsphase.
Das Problem:
Was früher sinnvoll war, läuft heute oft automatisch weiter.
Bewährte Muster fühlen sich vertraut an. Veränderung dagegen bedeutet Unsicherheit. Und Unsicherheit wird vom Körper schnell als Gefahr interpretiert.
So greifen wir reflexartig auf das zurück, was wir kennen – selbst wenn es uns längst nicht mehr dient.
Zeitdruck – der stille Veränderungskiller
Ein weiterer großer Faktor ist Zeitdruck.
„Ich muss jetzt funktionieren.“
„Ich habe keine Zeit, mich damit auseinanderzusetzen.“
„Heute will ich einfach nur reiten.“
Diese inneren Sätze wirken harmlos – sind aber mächtig.
Denn echte Veränderung braucht Raum:
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Raum zum Spüren
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Raum zum Reflektieren
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Raum für neue Erfahrungen
Unter Zeitdruck schaltet unser System auf Autopilot. Wir fallen zurück in alte Bewegungsabläufe, alte Gedanken und alte Gefühle. Nicht, weil wir schwach sind – sondern weil unser Körper auf Effizienz programmiert ist.
Schnell = bekannt.
Neu = langsam.
Und langsam scheint im Alltag oft nicht erlaubt.
Angst will uns schützen – nicht sabotieren
Ein wichtiger Perspektivwechsel:
Angst ist kein Feind. Sie ist ein Schutzprogramm.
Im Sattel zeigt sie sich vielleicht als:
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Kontrollbedürfnis
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Verkrampfung
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übermäßiges Nachdenken
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Fluchtimpulse
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körperliche Starre
All das sind Versuche deines Systems, dich sicher zu halten.
Veränderung wird erst möglich, wenn wir aufhören, gegen die Angst zu kämpfen – und anfangen, ihr zuzuhören.
Was will sie mir sagen?
Wovor will sie mich bewahren?
Was brauche ich gerade wirklich?
Die Komfortzone der Unsicherheit
Paradox, aber wahr: Auch Angst kann zur Komfortzone werden.
Solange ich in meinem bekannten Muster bleibe, weiß ich zumindest, was passiert. Veränderung dagegen bedeutet, Kontrolle abzugeben. Und genau das fällt vielen Reiter:innen besonders schwer – vor allem, wenn Verantwortung, Perfektionismus oder hohe eigene Ansprüche im Spiel sind.
Der innere Dialog klingt dann oft so:
„Ich müsste etwas ändern … aber ich weiß nicht wie.“
„Andere schaffen das auch – warum ich nicht?“
„Ich war doch früher mutig.“
Diese Gedanken erzeugen zusätzlichen Druck – und Druck blockiert Entwicklung.
Veränderung beginnt leise
Echte Veränderung passiert selten durch große Durchbrüche.
Sie beginnt in kleinen Momenten:
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Ein bewusster Atemzug vor dem Aufsteigen
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Ein freundlicher Gedanke statt Selbstkritik
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Ein ehrliches Wahrnehmen der eigenen Gefühle
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Ein langsames Tempo statt Durchziehen
Nicht das Wegmachen der Angst ist der Schlüssel – sondern Beziehung zu ihr.
Je mehr Sicherheit du dir innerlich gibst, desto weniger muss dein Körper Alarm schlagen.
Fazit
Was uns daran hindert, etwas zu verändern, ist selten mangelnder Wille.
Es sind alte Schutzmuster, Zeitdruck und der Wunsch nach Kontrolle.
Angst im Sattel ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist ein Hinweis darauf, dass etwas gesehen, verstanden und neu gelernt werden möchte.
Veränderung entsteht dort, wo wir uns erlauben, langsamer zu werden, hinzuspüren – und neue Erfahrungen Schritt für Schritt zu integrieren.
Nicht gegen die Angst.
Mit ihr.

